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Nerven wie Drahtseile…

Die S1, irgendwo zwischen Duisburg und Düsseldorf, ein Biotop für sich. Sobald die Türen geschlossen sind, arrangieren sich die Individuen untereinander, Machtkämpfe um Plätze und Unterbringungsmöglichkeiten finden schnell ein Ende und es kehrt Frieden ein in das letzte Paradies des Menschen - den öffentlichen Nahverkehr. Jedoch, jedes Mal, wenn sich die Türen öffnen, dringen Fremdkörper ein in den ruhigen, schlauchförmigen Lebensraum. Und bringen zuweilen kuriose Dialoge mit.

Das aktuellste Beispiel für derartige Kuriositäten hörte ich vor ein paar Tagen. Zwei Passanten, zufällig Mann und Frau, betreten das Paradies. Sie setzen sich geräuschvoll und raschelnd hin. Stille kehrt ein, man will gerade aufatmen, hofft auf den Moment, in dem sich die Türen schließen und die böse Aussenwelt hermetisch abgeriegelt wird - da spürt man plötzlich, dass diese Individuen sich noch einmal über die Platzwahl auseinandersetzen wollen. Ein kurzer prüfender Blick über die Schulter… hm, sieht doch ganz gut aus. Viererabteil, zwei Menschen, passt. Oder? Die Frau sitzt in Fahrtrichtung, natürlich erst wenn der Zug in Bewegung ist. Das scheint nicht nur mir aufgefallen zu sein - sondern auch ihr.

“Oder willst du lieber in Fahrtrichtung sitzen?”

Und er antwortet mit einer Stärke, die an King Kong erinnert:

“Nein, noch geht es…..”

Noch geht es? Der Zug ist nicht abgefahren, aber es geht trotzdem noch? Dieser Mann kann wirklich auf der Stelle GEGEN die Fahrtrichtung sitzen? Alle Achtung, so einen resistenten Magen muss man erst mal aufweisen können. Kurz hardere ich mit dem Gedanken aufzuspringen um ihm meine überschwengliche Bewunderung vermitteln zu können. Jedoch, auch ich will es nicht zerstören; das letzte Paradies.

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